Ein Klavier - nur was für eines?

Neuklavier Gebrauchtklavier Gebrauchter Flügel

Gebraucht oder Neu? Hoch gebaut oder klein? Elektrisches Klavier oder akustisches Klavier? Welche Marke, welcher Hersteller? Welches Klangbild, singend oder klar? Welche Preislage - und wie hängt Preislage mit Qualität zusammen? Welche Qualität verbirgt sich hinter den vielen auch Deutsch klingenden Markennamen? Es stellen sich viele Fragen zu denen ich Ihnen hier gern einige Informationen anbieten mag.

Jährlich werden weltweit ca. 500.000 akustische Klaviere und Flügel hergestellt. Davon übrigens allein ca. 20% (über 70.000 Klaviere und 20.000 Flügel) vom Weltmarktführer Yamaha. Geschätzt werden von den 500.000 Instrumenten pro Jahr ca. über 80% in China und anderen Asiatischen Ländern gefertigt. In Deutschland werden jährlich ca. 12.000 Klaviere und 2000 Flügel gefertigt - wovon allerdings über die Hälfte ins Ausland gehen. Über die vielen Jahre gibt es in Europa einige Millionen Klaviere und Flügel, die immer mal wieder auf dem Gebrauchtmarkt unterwegs sind. Das sind sowohl die sehr zahlreichen Deutschen und Europäischen Fabrikate als auch inzwischen unzählige Instrumente aus Osteuropäischer, Asiatischer oder auch Amerikanischer Massenproduktion, die unter den verschiedensten Markennamen auftauchen.

Idealerweise erkunden Sie zunächst wofür Sie ein Klavier möchten. Das klingt ungewöhnlich, jedoch lohnt sich die Beantwortung dieser wichtigen Fragen, um eine gute Entscheidung zu treffen:

- Wer möchte in der Familie hauptsächlich Klavier spielen?

- Wird das Klavier für den Klavierunterricht eingesetzt?

- Was ist Ihnen wie wichtig beim Klavier?
(Optik, Klang, technischer Zustand, Marke, Preis, Folgekosten, etc.)

- Klangbild gefällt Ihnen am besten?

- Welches Budget können Sie investieren?

- Wo wird das Klavier stehen?

Sehr zu empfehlen ist, sich von verschiedenen Sachkundigen Klaviere zeigen, erklären und vorspielen zu lassen - denn dabei wird Ihnen sicher klarer, worauf es Ihnen eigentlich ankommt - und auch welche Klangfarbe Sie bevorzugen. Diese ist sehr unterschiedlich bei Klavieren unterschiedlicher Marke, Bauart und Alter - aber auch bei Instrumenten der gleichen Marke bzw. sogar des gleichen Modells. Denn der Zustand des Instrumentes als auch die Qualität der Intonation und Regulation sind sehr entscheidend für das Klangbild und das Spielverhalten.

Klangbild eines Klaviers oder Flügels

Klangbilder von Klavieren und Flügel

Das Spektrum der Klangbilder ist sehr unterschiedlich. Eine ordentliche Bauqualität vorausgesetzt, ist die Unterscheidung der Klangbilder nicht unbedingt eine Frage von gut/schlecht, sondern von Klangphilosophie und Herstellerpräferenz. Bis in die 1940iger Jahre war das Klangbild der Instrumente eher reicher und charakteristischer für die unterschiedlichen Hersteller. Mit der modernen Massenfertigung vor allem in Asien ist dieser charakteristische Klang leider etwas weniger geworden. Insgesamt sind die modernen Instrumente eher klanglich präziser geworden. Das manchmal fast „hart/metallisch“ wahrzunehmende Klangbild der Asiatischen Instrumente hat auch durch den Marktführer Yamaha sowie Kawai und Andere eine breite Akzeptanz gefunden. Ein gut intoniertes Instrument auch dieser Hersteller kann jedoch einen sehr schönen Klang haben – und es gibt sehr hochwertige Instrumente auch aus diesen Fabrikationen.

Mit Blick auf die älteren Instrumente bis ca. 1940 würde ich für meine Ohren subjektiv versuchen einzuordnen: Das Klangbild reicht von eher weichen, singenden und obertonreichen Klangbildern wie zum Beispiel bei Blüthner, Seiler und Schiedmayer & Söhne Instrumenten über die eher klaren und ausgeglichenen Klangbilder wie zum Beispiel bei Bösendorfer, Schimmel, Förster, Ibach Instrumenten zu den kräftigen, prägnanten und transparenten Klangbildern, die ich oft bei Bechstein, Grotrian-Steinweg, Steinway&Sons Instrumenten erlebe. Welches Klangbild Sie als angenehm empfinden ist sehr subjektiv und lohnt sich herauszufinden. Zudem ist die Art der gespielten Musik ein Kriterium für die Auswahl von Klangbild, Dynamik und Spielart eines Instrumentes.

Klaviermusik Komponisten und Interpreten

Komponisten und Instrumente aus deren Zeit

Ein kleiner Exkurs zu Komponisten, Pianisten und deren Instrumenten. Oft wird vergessen, dass viele der großen Komponisten auf den sehr frühen Klavieren und Flügeln ihre großen Werke komponiert und gespielt haben. Das folgende Schaubild gibt einen groben Überblick wann welche Hersteller ihre Zeit hatten und damit ihre Instrumente zum Einsatz kamen. Bach, Mozart, Beethoven, Schubert, Chopin haben nie einen Steinway, Blüthner oder Bechstein Instrument kennen gelernt. Auch Schumann kann Blüthner oder Bechstein Instrumente nur in seinen letzten drei Jahren kennen gelernt haben. Und dies wird in Filmen oft anders dargestellt. Es ist also bestimmt für viele interessant die Musik dieser Komponisten auf den Instrumenten zu hören, die damals verfügbar waren und von den Komponisten verwendet wurden. Es gibt Pianisten, die sich darauf spezialisiert - und interessante Aufnahmen veröffentlicht haben.

Klavierhersteller und Klaviermusik Komponisten

Klavierspieler und deren Hauptinstrumente

Komponisten und Pianisten wurden und werden natürlich immer sehr von den verschiedenen Klavierherstellern umworben, um eine Präferenz für die Instrumente auch werblich zu nutzen. Steinway & Sons hat dies schon vor 1900 mit seinem Pianisten und Konzertservice Programm sehr erfolgreich professionalisiert. Tatsächlich waren die Bekundungen der Pianisten und Komponisten für bestimmte Fabrikate oft auch dadurch motiviert, dass die Hersteller kostenlos Instrumente für Konzerttourneen zur Verfügung gestellt haben oder entsprechende Verträge formuliert waren. Die Unterschriften von so manchem Komponisten/Pianisten stehen unter vom Hersteller formulierten Texten. Trotzdem gab es durchaus auch eine tatsächliche Begeisterung und Präferenz für bestimmte Hersteller – oder genauer noch, für bestimmte Instrumente eines Herstellers. Legendär ist die Geschichte von Glen Gould und seinem Steinway Flügel mit der Nummer CD318. Ebenso hat Vladimir Horowitz bekanntlich seinen eigenen Steinway Flügel auf alle Reisen mitgenommen.